Im östlichen Teil der Stadt, in Oberschöneweide, zwischen Spree und der Nalepastraße, richtete das Staatliche Rundfunkkommitee 1951 für den Hörfunk Aufnahme und Studioräume ein, wozu die Gebäude einer ehemaligen Furnierfabrik aufgrund der vorhandenen technischen Einrichtungen (Kabel) gut genutzt werden konnten, die auf einem ausgewählten Grundstück an der Spree, gegenüber dem Plänterwald, standen.

Das Rundfunkzentrum, welches heute leer steht, besteht aus Neubauten des Architekten Franz Ehrlich und des Rundfunktechnikers Gerhard Probst, die zusammen bereits Studioprojekte für ein Rundfunkhaus in Dresden ausgearbeitet hatten.

Nach sechsmonatiger Bauzeit konnte schon am 31.12 1951 aus dem sog.Block A, Verwaltungsgebäude mit Turmhaus, die erste Sendung ausgestrahlt werden.Das Aufnahme- und Studiogebäude, der sog. Block C, wurde von der Entwurfsgruppe der Architektin Poetsch, des Architekten Franz Ehrlich, Dipl. Ing. H.v. Papen, L. Keibs (Akkustik) für künstlerische Produktionen, Musik und Hörspiel, des DDR Rundfunks konzipiert . Für den Produktionskomplex war von vornherein ein neues Gebäude geplant, mit dessen Bau im Sommer 1952 begonnen wurde.Die Säle I und II sollten Anfang 1954 dem Betrieb übergeben werden.und bis Ende des Jahres sollte das Haus in der Gesamtheit fertiggestellt werden .Doch durch den Brand am 16.2. 1954 blieb leider nur der Rohbau des Hauses erhalten, wodurch sich die Bauarbeiten um zwei Jahre verzögerten. Am 10.02 1956 schließlich wurde das Haus mit allen Studios dem Betrieb übergeben.

Anders als man bei einem öffentlich wirksamen Gebäude wie dem Rundfunkhaus vermuten könnte, liegt das Aufnahme und Studiogebäude des staatlichen Rundfunkkommitees nicht in einem repräsentativen Stadtteil, sondern die Bauten befinden sich im marginalen Stadtteil, versteckt und von hohen Bäumen umgeben.Von der Nalepastraße kommend , betritt der Besucher zunächst an der hinteren Schmalseite im Norden den Verwaltungstrakt (Block A).

Am Turm im Süden des Verwaltungsgebäudes schließt axial der auf Säulen ruhende Übergang zu den Studios und Aufnahmesälen (Block C) an.

Nur vom westlichen Spreeufer aus, vom Plänterwald, sieht man den ganzen Gebäudekomplex, allerdings lenkt der Turm den Blick von den anderen Gebäuden ab.Beim Näherkommen wird deutlich, daß eine Abschließung gegen das Umfeld ein bewußtes Kompositionsprinzip ist, welches sich bis zum Inneren des Gebäudes, bis in die Sendesäle fortesetzen wird: Zwischen dem Blick aus der Ferne und der Anwesenheit unmittelbar vor dem Gebäude hat der Architekt bewußt eine trennende Schicht Natur in die Planung miteinbezogen. Besonders deutlich wird dies vor dem viertelkreisförmigen Produktionstrackt des Block C, dessen Rückseite der Spree zugewandt ist, und dessen Vorderseite, mit dem Glasgang, dem Garten zugewandt ist. Der Garten ist integraler Bestandteil des Entwurfs.Der Architekt legt damit die Blickrichtung fest: Übergang von Block A zu Block C.

Die Hinführung zu den Gebäuden sind ist nicht repräsentativ. Alle Eingänge liegen irgendwie seitlich versteckt, ohne Auffahrten die auf ein Portal zuführten, ohne Aufforderung heranzukommen und hineinzugehen.: Der Eingang für Besucher liegt an der Ostflanke des Verwaltungstrakts. Der Eingang zum Studiokomplex, Block C, ist über den langen von Säulen getragenen Gang gewährleistet, oder unter diesem Gang, wenig repräsentativ, an der Seite des im Erdgeschoß durch Säulen gekennzeichneten Mittelfelds der Fassade.Die Vermeidung deutlich markierter Eingangsbereiche ist Kompositionsprinzip der verschachtelten Bauweise des gesamten Rundfunkhauses, was besonders im Block C deutlich wird, denn dieser besteht aus einem äußeren Haus und acht inneren Häusern mit vier Aufnahmesälen und zwei Hörspielkomplexen.Die sich aus der viertelkreisförmigen Bauweise ergebende Reihung trapezförmiger Raumgruppen führte zu segmentförmigen Baukörpern.An der Außenseite erschließt sich durch große Glasfenster ein lichtdurchfluteter Gang, der als Aufenthaltsraum für künstlerische Mitarbeiter dient, an der Innenseite befinden sich die Regieräume mit kurzen Wegen, sowohl für das technische Personal als auch für Kabel etc.

Diese Konstruktion ist das Ergebnis des Zusammenwirkens der eigenwilligen Handschrift des Architekten Franz Ehrlich und den technischen Notwendigkeiten, eines Rundfunkhauses, welches damals unter großem Zeitdruck und mit beschränkten finanziellen Mitteln fertiggestellt werden mußte.